Lohnende Umwege oder: Der neue Rothenburger Turmweg

Feierliche Eröffnung!

„Etwas Vergleichbares gibt es in ganz Deutschland nicht“ war eine der Aussagen die am 28.03.2014 zur Einweihung des Rothenburger Turmweges getroffen wurden. Mit Superlativen halte ich mich auf meinen Führungen eher zurück, da mir zu schnell von dem höchsten, ältesten oder größten … gesprochen wird. Aber es könnte schon sein dass ein solcher Rundgang sonst nirgendwo in Deutschland zu finden ist, denn es gibt nicht mehr viele Städte auf dieser Welt mit einem komplett geschlossenen Stadtmauerring und dazu noch fast allen Türmen entlang der Stadtmauer. Spontan fallen mir nur noch zwei andere mittelalterliche Kleinode an der Romantischen Straße ein und zwar Dinkelsbühl sowie Nördlingen. Aber die haben keinen vergleichbaren ausführlich beschriebenen Rundweg zu den Türmen.

Die Stadt der Türme!

Es ist nun schon ein paar Jahre her, aber mir unvergesslich, als mir eine Gruppe erklärte sie kämen aus der Stadt der Türme. Welche Stadt das war kann ich nicht mehr sagen, aber die Anzahl der Türme hat sich auf meiner Festplatte eingebrannt. Denn wenn man mit ACHT Türmen schon zur Stadt der Türme wird, fällt mir für Rothenburg mit ca. vierzig Türmen kein passender Titel ein. Außer vielleicht die Hauptstadt der Türme. Auf jeden Fall ist der Blick auf Rothenburg geprägt durch diese Symbole der Macht. Es könnte gut sein, dass gerade diese heute so einmalige Silhouette der Stadt über der Tauber einen Dichter (Kaspar Bruschius 1518-1559) im 16. Jahrhundert zu einem Vergleich mit einer noch viel berühmteren Stadt veranlasste. So wurde Rothenburg früher auch „das Jerusalem des Nordens“ genannt.

Die Klagemauer!

Woher dieser Vergleich nun auch kommen mag und in wie weit er früher, als Rothenburg wegen der Heilig-Blut-Reliquie noch ein wichtiger Wallfahrtsort in Franken war, seine Berechtigung hatte, kann ich nicht sagen. Eines jedoch kann ich sagen und zwar, dass mich eine Stelle in Rothenburg an die berühmte Klagemauer in Jerusalem erinnert. Es ist der Teil zwischen dem Dominikaner- und Bettelvogtsturm. Dies ist einer meiner Lieblingsstellen, da hier auch wunderbar der Übergang vom Naturstein zum bearbeiteten Stein zu sehen ist. An keiner anderen Stelle ragt dieser Wall aus Stein so imposant vor einem in die Höhe wie vor dem ehemaligen Dominikanerinnenkloster.

Besondere Einblicke

Was mir an den zweiundzwanzig Stationen mit ihren Infotafeln besonders gut gefällt, sind immer wieder die besonderen Einblicke und Hinweise auf Themen, die den meisten Besuchern sonst verborgen geblieben wären. Selbst mir war zum Beispiel nicht bekannt, dass in der Nähe des Strafturms der verschlossene Zugang im Stadtgraben früher zum Abbau von Steinblöcken bei Belagerungen diente. Den Hinweis auf die besondere Problematik der Wasserversorgung der Stadt im Mittelalter und die spezielle Lösung durch ein Pumpwerk in der Bronnenmühle versuche ich hingegen wenn immer möglich auf meinen Stadtführungen anzusprechen, da es ohne Wasser kein Leben in der Stadt geben konnte.

Faszierende Überblicke

Da etwa zwei Drittel der Stadtmauer begehbar sind, gibt es natürlich auch die Möglichkeit einen Teil des Turmweges mit einem faszinieren Überblick über die Dächer von Rothenburg zurück zu legen. Wichtig finde ich noch den Hinweis, dass man auf den Wehrgang kann, aber nicht muss. Der ca. 4 Km lange Rundweg ist fast komplett barrierefrei und kann gut mit einem Kinderwagen begangen werden. Dies habe ich selbst mit meinem Nachwuchs ausprobiert.

Der faszinierende Überblick wird aber auch durch die Vielzahl von Hinweisen und Informationen auf den Tafeln gegeben. Übrigens immer auf Deutsch und Englisch.

Eine touristische Bereicherung

Alles in allem empfinde ich den Turmweg als eine sehr gelungene touristische Bereicherung. Obwohl die Stationen von 1 – 22 durchnummeriert sind, gibt es keinen inhaltliche Reihenfolge und damit auch keinen thematischen Start- bzw. Endpunkt. Damit kann der Rundgang an jeder Stelle begonnen und/oder unterbrochen werden. Wer die gesamte Strecke um die ausgezeichnet erhaltene Stadtverteidigung zurücklegen möchte sollte dafür zwei bis zweieinhalb Stunden einplanen. Aber es ist bereits eine Bereicherung der Städtereise sich nur mal fünf Minuten Zeit zu nehmen um eine der gut sichtbaren Tafeln zu lesen wenn man zufällig daran vorbei kommt, oder einen kleinen Umweg macht. Es lohnt sich und ist damit ist der neue Rothenburger Turmweg ein lohnender Umweg.

Zusammenfassung:

Stationen: 22 um die Stadtmauer + 4 der ersten Stadtbefestigung in der Altstadt (Stand 04.2014 noch im Bau)

Strecke: ca. 4 Km, weitgehend barrierefrei

Dauer: ca. 2-2,5 Stunden

Sprache: deutsch + englisch

Besonderheit: Start an jeder Station möglich - keine erzwungen Reihenfolge – frei zugänglich und jederzeit nutzbar

Alle Informationen sind in einer Broschüre zusammen gefasst, die für 4,- Euro in der Tourist Information oder über den Rothenburger Tourismus Service bezogen werden kann.

Wer schreibt denn hier?

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Mein Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese selten schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf.

Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber.

Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhaus.

Ihr Harald Ernst

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